Call of Duty Modern Warfare 3 im Test- Eine Pause wäre sinnvoll gewesen!

Quelle: Activision

Activision Blizzard hat jedes Jahr mit seinen drei Studios Infinity Ward, Treyarch und Sledgehammer Games, einen neuen Teil der Call of Duty-Reihe veröffentlicht. Der Vorgänger Modern Warfare 2 verkaufte sich selbstverständlich wie geschnitten Brot. Eigentlich plante man eine einjährige Pause bevor man den Nachfolger veröffentlichen würde. Diese Entscheidung sollte nicht nur der Qualität zugutekommen. Dem ist jetzt nicht mehr so, weshalb wir schon in diesem Jahr Modern Warfare 3 spielen dürfen. War die Entscheidung von Sledgehammer Games ein Fehler? Dies und viel mehr könnt ihr in unserem Review lesen.

Modern Warfare 3 hat neue Ansätze! Eine Fehlentscheidung?

Quelle: Activision

Die Story hinter Call of Duty: Modern Warfare 3 knüpft nahezu nahtlos an den Vorgänger Modern Warfare 2 an. Die Task Force 141, in welcher Captain Price und Ghost ihrem Land dienen, bekommt es mit dem russischen Nationalisten Makarov zu tun. Sollte euch der Name des Antagonisten bekannt vorkommen, dann höchstwahrscheinlich aus der kontroversen Mission „No Russian“ aus dem alten Modern Warfare 2. In dieser Mission sind wir im selben Team mit Makarov und führen einen terroristischen Angriff auf einen russischen Flughafen voller Zivilisten aus. Selbstverständlich müssen wir die unschuldigen Zivilisten nicht töten und können das Level sogar überspringen. So eine ähnliche Mission befindet sich erneut in der Kampagne von Modern Warfare 3. Schon das erste Level fühlt sich wie ein klassisches Call of Duty an. Als Mitglied einer Spezialeinheit stürmen wir in der Nacht einen Gulag an der Küste des fiktiven Landes Kastovia. Unser Ziel ist ein Häftling im Hochsicherheitstrakt, welcher eine lebenslange Haftstrafe absitzt. Die Mission ist wie gewohnt atmosphärisch inszeniert, linear und hat einen kleinen Twist. Wir überwinden mit Enterhaken die Mauern des Gulags; befreien einige Gefangene und sorgen somit für einen Aufstand; seilen uns im Inneren des Komplexes ab und stehen vor Vladimir Makarov. Wir spielen einen seiner treuesten Anhänger und befreien unseren Kommandanten. Genau so kenne und liebe ich die Erzählweise der Call of Duty-Kampagnen. Unsere Aufgabe als Task Force 141 ist es die Terroraktionen von Makarov und einen globalen Krieg zu verhinden. Natürlich wollen wir diese Person, sofern sich uns die Gelegenheit bietet, eliminieren.

Doch dann geschieht etwas unerwartetes. Das lineare Leveldesign weicht einer offenen Spielwelt. Überall auf den etwas größeren Karten, welche innerhalb von ein paar Laufminuten durchquert werden können, liegen Elemente aus dem Spielmodus Warzone herum. Hier ein paar Stahlplatten für unsere Weste, dort eine Waffe sowie Granaten, etwas weiter ein Herzschlag Sensor und so weiter. Diese Art des Leveldesigns eröffnet uns so viele Möglichkeiten und zwingt uns zugleich einen anderen Spielstil anzunehmen. Nun muss ich entscheiden ob ich eher subtil vorgehe oder doch lieber den Ballermann auspacke. Das Problem bei offenen Spielwelten ist die eher schwächere Inszenierung. Womöglich wollten die Entwickler etwas neues ausprobieren, oder hatten einfach zu wenig Zeit zur Entwicklung des Nachfolgers. Eigentlich sollte Modern Warfare 3 als DLC veröffentlicht werden. Warum die Führungsriege sich umentschieden hat, ist mir jedoch schleierhaft. Die DNA, welche Call of Duty in der Kampagne einst ausgemacht hat, ist nun verwässert und nicht mehr dieselbe. Immer wieder wechseln sich lineare und atmosphärisch gut inszenierte Level mit offenen Spielwelten ab. Leider sind die Aufgaben auch sehr abwechslungsarm. GPS-Peilsender anbringen, Helikopter sprengen, Informationen finden oder Mobiltelefone sichern sind nur ein paar der Aufträge auf offenen Karten. Das Teilbereiche der Warzone-Karte recycelt wurden stört mich nicht besonders. Leider schwächelt auch die KI der Gegner in Modern Warfare 3. Kaum wurden wir auf unserer Mission entdeckt, stürmen die Gegner unsere Position, ohne Rücksicht auf ihr eigenes Leben. Trotz gemischter Gefühle habe ich dennoch die kurze Kampagne genossen, obwohl sehr viel von der serientypischen bombastischen Inszenierung fehlte. Leider endete die Story für meinen Geschmack ein wenig zu abrupt. Die Kampagne von Modern Warfare 3 ist leider nichts Halbes und nichts Ganzes. Mit mehr Zeit wäre da besseres möglich gewesen.

Was bietet der Multiplayer von Modern Warfare 3?

Neben dem für mich wichtigen Einzelspieler in Call of Duty, ist das Herzstück selbstverständlich der Multiplayer. Der Entwickler stellt euch wie gewohnt etliche Modi, Waffen (weniger als in den Vorgängern) und Maps zur Verfügung. Welche Modi das in etwas sind und was das Ziel eines jeden einzelnen ist, findet ihr unterhalb aufgelistet.

– Beginnen möchte ich mit meinem Lieblingsmodus dem Team-Deathmatch. Hier treten zwei Teams gegeneinander an und das Team mit den meisten Kills gewinnt.
– In Herrschaft müssen beide Teams drei Punkte erobern und verteidigen. Das Team mit den meisten Punkten gewinnt.
Suchen & Zerstören: Dieser Modus erinnert nicht nur an Counterstrike, er spielt sich auch so. Das Ziel ist es entweder eine Bombe zu legen oder diese zu entschärfen.
Frei für Alle ist ein CoD-Klassiker und hier müssen wir alleine gegen die restlichen Spieler antreten. Wer zuerst das Punktelimit erreicht, hat gewonnen.
– In Abschuss Bestätigt müssen wir die Feinde des gegnerischen Teams töten und die fallen gelassenen Erkennungsmarken einsammeln.
– In Stellung müssen wir eine zufällig erscheinende Zone auf der Karte einnehmen und verteidigen. Je länger wir das Zielgebiet halten, umso mehr Punkte bekommen wir.
– In Kontrolle wird abwechselnd das Ziel angegriffen und verteidigt.
Invasion zählt zu den großen Modi für bis zu 64 Spieler. Das Ziel ist die Eliminierung des anderen Teams um Punkte zu sammeln.
– Im Kriedsmodus schließen die Teams lineare Ziele auf großen Maps ab, um die Frontlinie zu verschieben und den Sieg zu holen.
– Im Modus Unbarmherzig spielen drei Teams Kopf an Kopf gegeneinander. Sieger ist das Team, welches zuerst das Rundensieg-Limit erreicht.
– Der letzte große Modus für bis zu 64 Spieler ist der Bodenkrieg. Hier muss unser Team, bestehend aus 32 Spielern, ähnlich wie in Herrschaft verschiedene Zonen erobern. Das Team mit den meisten Punkten gewinnt den Modus

Quelle: Activision

Im Zombie Modus werden wir mit Viktor Zakhaev konfrontiert, ein ultranationalistischer Waffenhändler und der Feind der Task Force 141. Um die geheimen Pläne von Zakhaev aufdecken und dem Ausbruch entgegenwirken zu können, wird „Operation: Deadbolt“ gestartet. Hier müssen wir uns den Untote auf einer offenen Karte stellen, Aufgaben erledigen, Gegenstände looten, die Gegend erkunden und Zakhaev davon abhalten, mehr Ressourcen zu plündern. Haben wir genug Ressourcen erbeutet und Aufgaben erledigt um im Level aufzusteigen, müssen wir nur noch den Extrahierungspunkt erreichen. Es fühlt sich eigentlich wie Warzone mit einem Zombie-Skin an. Viele der Karten des Multiplayers sind modernisierte Versionen aus Modern Warfare 2. Hinzu kommen drei „Ground War“-Maps, welche aus Arealen der großen Urzikstan-Karte kommen und ein lineares Level, welches ebenfalls aus Urzikstan stammt. Folgende Karten sind enthalten:

– Kernkarten: Afghan, Estate, Derail, Highrise, Favela, Karachi, Invasion, Rundown, Quarry, Scrapyard, Rust, Sub Base, Skidrow, Underpass, Terminal und Wasteland.
– Ground War-Karten: Orlov Militär-Basis, Lewvin Resort und Popov Power.
– War Mode-Karte: Operation Spearhead.

Einige kleine aber wichtige Änderungen beim Movement wurden ebenfalls umgesetzt. Das Movement (Laufen, Sliden und Klettern) fühlt sich deutlich schneller an als noch in Modern Warfare 2. Die Slideanimation kann abgebrochen werden, was einige Spieler freuen dürfte. Somit ist ein sofortiges reagieren auf plötzliche Situationsänderung während der Animationsausübung möglich. Jedenfalls sorgt das geänderte Movement dafür, dass viele der Spieler aggressiver Vorgehen dürften. An die höhere Time to Kill, welche im Vorgänger deutlich kürzer war, musste ich mich erneut umgewöhnen. Der visuelle Rückstoß bei den Waffen wurde reduziert und der Aim-Assist abgeschwächt. Quick-Scopen ist nicht mehr möglich, da das Fadenkreuz beim Visier eine leichte Streuung hat und ausgerichtet werden muss. SBMM ist erneut mit von der Partie. Laut den Entwicklern sollte damit eine fairere Spielerlobby gewährleistet werden. Eine separate Option zum einstellen dieser Technik wäre eine optimalere Lösung gewesen. Diesen Wunsch habe ich auch schon beim letzten Review zu Modern Warfare 2 geäußert. Vielleicht klappt es ja beim nächsten Mal.

Keine Überraschung bei der Grafik

Bei der grafischen Präsentation von Call of Duty: Modern Warfare 3 hat sich erstaunlich wenig getan. Die Texturen sind größtenteils hochauflösend, die Partikeleffekte sind bei jeder Explosionen ein Fest für die Augen, die Beleuchtung sucht im Shooter-Genre ihresgleichen und die Schatten können ebenfalls überzeugen. Sehr gelungen finde ich die Gesichtdetails aller Hauptcharakter. Bei der Auflösung wird ein sogenanntes Rekonstruktionsrendering-Verfahren verwendet, sodass 1440p bis 2160p, ähnlich den High/Ultra Einstellungen auf dem PC, ermöglicht werden. Wer einen entsprechenden TV oder Monitor besitzt, kann auf der Xbox Series X bis zu 120 Hz verwenden. Nur gelegentlich habe ich während der Kampagne und dem Multiplayer kleinere Ruckler wahrgenommen. Ein weiterer Kritikpunkt ist die unscharfe Textur bei einige Assets. Diese kleine Schwäche sieht man vor allem bei den offeneren Karten. Die Steuerung ist wie gewohnt präzise und der tolle Soundtrack untermalt gekonnt die Szenen auf dem Bildschirm. Während der Testphase hatte ich kaum erwähnenswerte Bugs. Mein ganz persönliches Highlight ist definitiv das gelungene Sounddesign der Waffen.

Call of Duty Modern Warfare 3 im Test- Eine Pause wäre sinnvoll gewesen!
Fazit
Noch nie war ein Test für mich so schwer wie beim aktuellen Call of Duty. Modern Warfare 3 ist irgendwie nichts Halbes und nichts Ganzes. Die Kampagne ist viel zu kurz, die offene Spielwelt einzelner Level verwässert die bekannte DNA und die serientypische bombastische Inszenierung fehlt ebenfalls. Trotz der medialen Kritik, welche ich sehr gut nachvollziehen kann, hatte ich dennoch irgenwie ein bisschen Spaß mit der Story. Der Multiplayer hingegen bietet viele bekannte Modi und gelungene restaurierte Karten, welche meinen Nostalgienerv treffen. Leider sind kaum neue Maps enthalten, was bei mir sehr früh für Ernüchterung gesorgt hat. Da hilft auch das tolle Sounddesign der Waffen und das mehr als gelungene Gunplay des Multiplayers nichts. Beim neuen Zombie Modus haben es sich die Entwickler sehr leicht gemacht. Der im Vorgänger enthaltene DMZ-Modus hat einen Zombie-Skin spendiert bekommen. Wer sich Call of Duty: Modern Warfare 3 nur für die Kampagne kaufen will, sollte seine Entscheidung nochmals überdenken. Wer sich das Spiel hingegen für den Multiplayer und die vielen restaurierten Karten zulegen möchte, aber auf neue Maps verzichten kann, darf zugreifen. Für meinen Geschmack hätte der Publisher heuer pausieren und Modern Warfare 3 mit besserer Qualität im nächsten Jahr veröffentlichen können.
Technik
82
Umfang
66
Gameplay
80
Spezifisch
58
Leserwertung0 Bewertungen
0
Besser
es gibt eine Kampagne
Sounddesign bei den Waffen
viele Multiplayer-Modi
bis zu 2160p und 120 FPS auf Konsolen
Gesichtsdetails der Hauptcharakter
Soundtrack
Großteil der Texturen hochauflösend
Effekte, Explosionen und Beleuchtung
präzise Steuerung
gelungener Multiplayer
viele erneuerte Karten
Schlechter
viel zu kurze Kampagne
offene Spielwelt verwässert die DNA des Einzelspielers
serientypische bombastische Inszenierung fehlte in der Story
SBMM
einige Texturen detailarm
nur Hauptcharaktere mit viel Hingabe designt
KI schwächelt
Soundbugs
kaum neue Karten
freigespielte Waffen vom Vorgänger können sofort übernommen werden
Time to Kill länger als im Vorgänger
72
Wertung

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