Microtransactions – Fluch und Segen | Darauf sollte man beim Kauf achten!

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Fluch und Segen zugleich: Microtransactions. Sie versprechen zusätzliche Inhalte und Boni in Videospielen ähnlich wie Pre-Orders. Lohnt es sich, extra zu zahlen? Wir haben einige Hilfestellungen und Tipps, mit denen ihr einen Kauf besser einschätzen könnt.

Eines der kontroversen Feature von Videospielen sind die sogenannten Microtransactions. Für echtes Geld könnt ihr zusätzliche Inhalte in einem Spiel freischalten. „Nichts als Ausbeutung“, sagen viele, aber Microtransactions können auch positive Aspekte haben.

Quelle: 9Gag

Gratis ist nicht gleich gratis

Exklusive Gegenstände für echtes Geld sind in der Gaming-Szene nichts neues. Neue Skins für Champions in League of Legends sind dabei rein kosmetischer Natur: Es verändert sich lediglich eure Optik. Das ist nicht nur weitgehend harmlos, sondern in vielen Spielen auch vollkommen vertretbar.

Spiele wie League of Legends oder Dota 2 sind kostenlos zu spielen. Etwas, das viele gerne vergessen. Hinter solchen Spielen steckt dennoch ein Team an Entwicklern und oft ein Publisher, die für ihre Arbeit entlohnt werden möchten, sonst gäbe es das Spiel gar nicht. Microtransactions sind dabei ein Weg, wie solche Spiele kostenlos bleiben und dennoch alle zufrieden sein können.

Kein Gamer will sich als Geld-Kuh fühlen, die nur kräftig gemolken werden soll.

Doch warum haben sie dann einen umstrittenen Ruf? Je nach ihrer Umsetzung und Preisgestaltung können Microtransactions für Gamer nichts anderes als räuberische Ausbeutung sein. Noch mehr Geld für ein Videospiel ausgeben, dass ich bereits für gutes Geld erworben habe? Das scheint recht frech. Aber auch hier gibt es positive Beispiele: Neue Kostüme für die Spielfiguren oder ihre Bewaffnung, wie beispielsweise in Tomb Raider. Selbst Monate nach Release könnt ihr so noch etwas Neues aus dem Spiel herausholen. Für die Entwickler gibt es die Möglichkeit, dass zusätzliche Arbeit auch nach dem Release des Spiels finanziell belohnt werden kann. Stellt euch vor einem Kauf die Frage:

Was bekomme ich für mein Geld?

Wenn der Preis für euch in Ordnung geht, spricht auch nichts gegen einen einvernehmlichen Kauf. Doch wann genau ist der Preis in Ordnung? Das hängt in der Regel vom Typ ab. Jeder hat andere Wertvorstellungen, doch gerade bei Spielen, bei denen ihr eine Ingame-Währung kauft, lohnt es sich zu rechnen.

Ein kurzes Beispiel: In League of Legends kosten die optionalen Skins zwischen 390 bis 3250 RP (Riot Points), wobei 1€ zwischen ca. 145 und 165 RP Wert ist. Ein Skin kostet euch also zwischen 2,50€ bis zu 22,00€! Manche Skins sind dabei sehr aufwendig gemacht und bieten einzigartige Animationen, weshalb sich manche (mich eingeschlossen) solchen Luxus im sonst kostenlosen Spiel gönnen.

Riot stellt neue Skins vor

Das Preis-Leistungs-Verhältnis für Microtransactions im Spiel abwägen

League of Legends ist kostenlos. Andere Spiele, wie Fallout 76 (das immer wieder in der Kritik steht), kosten 60€ oder mehr und weisen dazu immer noch beachtenswerte Probleme auf, was Spielqualität und Stabilität angeht. Patches und Updates sollten höhere Priorität als optionale Ingame-Käufe haben. Ein zu starker Fokus auf den Ingame-Store (NBA 2K20) vermittelt den Eindruck, dass schnelles Geld wichtiger ist, als die Qualität des Produkts.

Außerdem kommt es immer auf das Preis-Leistungs-Verhältnis an. Denn sowas kann mächtig in die Hose gehen: Das mittlerweile offline gegangene MMO Nether hat nach seinem Release den Verkauf von Ingame-Geld in den Fokus gestellt, wodurch die Spieler samt ihres Geldes letztlich gegangen sind und das Spiel eingestampft werden musste. Kein Gamer will sich als Geld-Kuh fühlen, die nur kräftig gemolken werden soll.

Ab wann sind Microtransactions Pay-to-Win?

Schwieriger wird es bei Microtransactions, die euch einen echten Spielvorteil bringen. Dabei gilt es mehrere Faktoren zu beachten, aber auch hier sollte wieder zwischen kostenlosen Spielen, und jenen mit Kaufpreis unterschieden werden. Egal um welches Spiel oder welchen Gegenstand im Ingame-Store es sich handelt, stellt euch immer folgende Fragen:

  • Kann ich den Spielvorteil auch ohne Geld erlangen? (zum Beispiel durch mehr Spielzeit)
  • Wie groß ist der Einfluss des Spielvorteils? (geht es um einen kurzen Boost für XP oder eine besonders mächtige Endgame-Waffe?)
  • Wie hoch sind die Kosten für diesen Spielvorteil?
  • Sind die Kosten in einem guten Verhältnis mit ihrem Ingame-Wert?

Je nach dem, wie ihr diese Fragen beantwortet, könnt ihr einen Kauf einschätzen. Es gibt auch Spezialfälle, beispielsweise ein kostenloses MMORPG, welches aber grundlegende Spielfunktionen (wie ein Lagerfach) hinter zusätzlichen Kosten versteckt. Wägt ab, ob und wie viel Geld ihr zahlen müsst, um überhaupt eure Freude mit solchen Titeln zu haben. Ähnlich kritisch solltet ihr Spiele betrachten, welche euch das Leben besonders anstrengend machen, solange ihr nicht einen ganz spezifischen Gegenstand aus dem Shop kauft.

Gerade Handyspiele sind von diesem Phänomen geprägt und zielen auf impulsive oder kurzsichtige Entscheidungen ab. „Du hast den Boss nicht sofort besiegt? Gib jetzt einfach ein paar Euro aus und wir helfen dir, ihn sofort zu knacken.“ Aus diesem Grund sollten sich vor allem Kinder (bzw. ihre Eltern) und Jugendliche vor räuberischen Kaufangeboten in Acht nehmen!

Skeptisch und dennoch offen bleiben

Microtransactions sind nicht grundlegend etwas schlechtes, aber sie können recht einfach missbraucht werden. Nehmt euch daher ruhig einige Minuten und geht die genannten Fragen durch, damit ihr ein klareres Bild von der Lage habt. In kostenlosen Spielen sind zahlende User verständlicherweise im Vorteil, hier trifft der Spruch „Zeit ist Geld“ doppelt zu. Man hat sicher auch Spaß am Spiel, wenn man nicht an der Spitze der Ranglisten steht und wer doch diesen Kick braucht, sollte zur Sicherheit seine Ausgaben für das Spiel im Auge behalten. Bleibt stets wachsam für schlechte Praktiken, aber auch offen genug, um gute Käufe nicht durch die Lappen gehen zu lassen.

Martin Federlein
Seit über 3 Jahren darf ich mich schon Mitglied in der Redaktion von ZATC schimpfen und durfte News, Reviews und anderen Schabernack schreiben. Die Skepsis gegenüber Spielebewertungen wurde mit dem Alter immer größer, weshalb letztlich die Entscheidung getroffen wurde, selber etwas zu unternehmen. Mit der festen Überzeugung, dass wir für unser Geld auch entsprechende Unterhaltung kriegen sollen, ist für mich ein gutes Preis/Leistungsverhältnis wichtig.

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