Star Wars Jedi: Fallen Order im Test – ein Dark Souls mit Lichtschwert?

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Mit Star Wars Jedi: Fallen Order versucht Entwickler Respawn die angeschlagene Star Wars Spieleserie aus der Versenkung zu holen. Dabei bedient es sich Elementen aus Dark Souls und Uncharted und wirft euch in die Rolle eines Jedis. Eine Mischung die nicht nur toll klingt, sondern auch zu funktionieren scheint.

Die Geschichte von Star Wars Jedi: Fallen Order schiebt sich in etwa zwischen Episode drei und vier der Filmreihe. Es sieht schlecht aus für die Jedis. Fünf Jahre zuvor wurde die Order 66 ausgeführt, welcher unser Held Cal Kestis nur knapp entkommen konnte. Seither versucht er, ein unauffälliges Leben zu führen. Doch als er als Jedi erkannt wird, ändern sich die Dinge und er muss fliehen, wobei er auf seine neue Mentorin Cere Junda trifft.

Cale und Cere

Simpler Hauptcharakter, tolle Nebencharaktere

Cal (gespielt von Cameron Mnaghan) ist dabei ein Gutmensch durch und durch. Zu keinem Zeitpunkt gibt er sich jemals der dunklen Seite hin und selbst an seinen Tiefpunkten hilft ein simples Gespräch, um ihn wieder auf den richtigen Pfad zu führen. Cere (gespielt von Debra Wilson) hingegen hat einen tiefgreifenden Charakter voller Schuld un Reue, welcher später im Spiel noch stärker an die Oberfläche tritt. Die Konsequenzen ihrer Entscheidungen spiegeln sich dann besonders sichtbar in ihrem Gesicht wieder. Dies überbietet die Performance des eher schnöden Hauptcharakters, den wir spielen. Auch andere Charaktere erzählen eine gute, spannende und solide Geschichte ihres Lebens, welche stets nachvollziehbar und gut konstruiert sind.

Anders als die Vorgänger, ist der neue Teil kein Shooter mehr. Während wir in Star Wars Jedi: Fallen Order die Welt erkunden, steht uns dabei immer BD-1 zur Seite. Dieser kleine, lustige und liebenswerte Roboter ist nicht nur ein Haustier, welches mit uns begleitet, sondern hat auch ganz praktische Ansätze. Überall in der Welt finden wir Werkbänke, an denen wir sowohl den Roboter, als auch unser Lichtschwert aufmotzen können. So erleichtern wir uns nicht nur das Leben im Kampf, sondern erreichen auch an Orte, an die wir zuvor nicht gekommen sind. Das heißt wiederum, dass wir von einer Welt zu nächsten und dann wieder zurück gehen müssen, um alle Orte zu erforschen. Und das ist auch dringend notwendig, denn nur so kommen wir in der Hauptstory weiter. Auch entdecken wir so neue Fähigkeiten, welche uns die Macht besser nutzen lässt.

BD-1

Erkundung ist das A und O

Landet man zum ersten Mal auf einen neuen Planeten, ist man enttäuscht wie klein dieser wirkt. Die Schlauchlevels führen euch von A nach B und kleine Barrieren, welche ihr erst später durch neue Fähigkeiten öffnen könnt, versperren euch den Weg. Doch es ist immer wieder überraschend, welch große Gebiete hinter so einer unscheinbaren Barriere liegen können. Sprengen wir eine Wand auf, oder schwingen wir uns auf eine neue Plattform, so eröffnen sich neue Wege, welche tiefer in die unerforschte Karte reichen. Leider sind einige Stellen aufgrund der Steuerung allerdings schwieriger zu erreichen. Rutschen wir eine Neigung herunter, springen ab, laufen einer Wand entlang und springen dann an ein Seil, so kann es gut einmal passieren, dass wir beim letzten Absprung im Abgrund landen. Oder es kann auch zweimal passieren. Oder fünfmal. Dieses verdammte Seil…

Star Wars Jedi: Fallen Order möchte auch, dass wir immer wieder kleine Rätsel lösen um voran zu kommen. Die meisten sind Standardrätsel, welche wohl jeder schon einmal in diversen Spielen gesehen hat. Doch das eine eine oder andere hat mich schon einige Zeit an der Lösung knobeln lassen, bis ich den Weg gefunden hatte. Zwar gibt BD-1 auf Anfrage kleine Tipps, diese zeigen aber meist nur das Offensichtliche. Doch auch dies ist sehr schön, denn die Lösung präsentiert zu bekommen würde den Spaß an der Sache rauben. Nichts ist schöner als dieses Indiana Jones Gefühl, was nach jedem gelösten Rätsel aufkommt.

Star Wars Jedi: Fallen Order

Durch das Erkunden findet ihr aber nicht nur die erwähnten Werkbänke, sondern auch Truhen. In diesen können sich Kosmetikitems befinden mit welchen ihr sowohl euch selbst, euer Laserschwert, BD-1 als auch euer Raumschiff optisch anpassen könnt. Mit einem Blick auf die Karte könnt ihr aber auch immer erkennen, welche Gebiete noch unentdeckt sind und welche ihr noch gar nicht erkunden könnt. Das erspart es, sich durch die ganze Karte kämpfen zu müssen, nur um zu entdecken, dass ihr hier noch gar nicht weiter kommt. Sehr praktisch, denn eine Schnellreisefunktion gibt es nicht.

Eindrucksvolle Welten, hässliche Wookiees

Die Gebiete die wir so freischalten sehen dabei immer fantastisch aus. Egal, ob wir auf dem tropischen Wookiee Heimatplaneten Kashyyk, oder dem kargen Planeten Dathomir unterwegs sind, alles ist der Umgebung entsprechend angepasst aus und gliedert sich fantastisch ein. Bereits zu Beginn wird dies eindrucksvoll klar. Hier befinden wir uns auf einem Planeten, welcher sich um das Zerkleinern von Raumschiffen kümmert. Riesige Kreuzer werden hierbei zerlegt und in Stücken abtransportiert. Allein dafür lohnt es sich stehen zu bleiben und die Umgebung genauer zu betrachten. Einziges Manko: Die Wookiees. Diese haarigen Biester sehen im Spiel leider eher aus wie laufende Langhaarteppiche.

Runie

Doch wer Star Wars Jedi: Fallen Order spielt, der will natürlich das Laserschwert zücken. Und das dürft ihr auch sehr schnell und sehr oft. Die Animationen mit denen ihr Gegner bekämpft wirken dabei sehr authentisch und dadurch auch spannend. Ihr müsst im richtigen Moment parieren, ausweichen und zuschlagen. Dabei können euch Gegner überraschend schnell gefährlich werden, wenn ihr nicht richtig aufpasst. Kleine Fehler werden sofort bestraft.

Jeder Gegnertyp hat dabei sein eigenes Kampfverhalten. Doch dieses lernt ihr schnell kennen und könnt aufgrund von Bewegungen und Geräuschen den nächsten Angriff vorhersehen. Nahkampfgegner haben immer eine Blockbar, welche erst gesenkt werden muss, bevor ihr Schaden verursacht. Bosskämpfe sind stets sehr eindrucksvoll und überraschend schwierig. Sehr gut animiert bieten sie wirklich eine Herausforderung und einen Augenschmaus zugleich. Die Sturmtruppen sind die einzigen Feinde, welche wirklich einfach zu besiegen sind. Mit dem Laserschwert im richtigen Moment zu Blocken wirft deren Laserschuss zurück und schaltet sie aus. Das macht trotz (oder gerade wegen) der Einfachheit, einen riesen Spaß.

Star Wars Jedi: Fallen Order

Mit dem Laserschwert durch Star Wars Jedi: Fallen Order

Gerade im Vergleich mit den Filmen, fühlt sich das Laserschwert aber nicht so mächtig an, wie es sollte. Zwar spalten wir tierische Gegner in zwei Teile, menschliche Gegner behalten aber immer alle ihre Gliedmaßen. Zwar ist das keine große Sache, etwas schade allerdings bei den Finishing-Moves, welches dadurch an Authentizität verlieren. Auch die Umgebung bleibt von unserem Schwert größtenteils unangetastet. Am meisten fällt dies in Standardsituationen auf: Gehen wir mit gezückten Schwert durch Türen und der Laserstrahl berührt den Rahmen passiert rein gar nichts. Kleine Funken hätten hier die Sache schon abgerundet.

Doch auch die Macht darf in Star Wars Jedi: Fallen Order natürlich nicht zum Kämpfen fehlen. Diese ist aber auf drei Fähigkeiten limitiert: Ziehen, Drücken und Einfrieren (in der Bewegung, nicht mit Kälte). Mit dem eingebauten Skill-Tree verbessern wir diese Fähigkeiten und können so später auch große Gegner ins Straucheln bringen, oder ganze Gruppen von Gegnern gleichzeitig über die Klippe stoßen.

Wer von einem Gegner überrumpelt wurde, der muss mit den Konsequenzen leben. Einmal gestorben, werdet ihr zum letzten Meditationsplatz zurückgesetzt und alle besiegten Gegner auf der Karte sind wieder da. Seid ihr also vom letzten Gegner vor dem nächsten Speicherpunkt umgehauen worden, dürft ihr euch erneut den Weg dorthin bahnen. Gleiches gilt auch, wenn ihr an diesen Plätzen euer Leben aufladen wollt. Dabei wir nicht nur eure Gesundheit, eure Macht und eure Heilungskanister wieder aufgefüllt, sondern auch alle Gegner wiederhergestellt. Somit macht euch Star Wars Jedi: Fallen Order das Leben zwar nicht leichter, hält aber stets das Gefühl aufrecht, etwas geschafft zu haben.

Sterben ist nicht das Ende, wird aber bestraft

Damit ihr nicht einfach weglauft und dem Gegner die Genugtuung überlasst euch ausgeschaltet zu haben, verliert ihr alle gesammelten Erfahrungspunkte zum nächsten Level. Damit ihr diese wieder erhaltet, müsst ihr euch eurem Feind wieder stellen. Doch anstatt ihn umbringen zu müssen, reicht der erste Treffer aus, um die verlorenen Punkte wieder zu erhalten. Dies treibt euch an, die Stelle erneut und erneut zu versuchen. Seit ihr jedoch an einen übermächtigen Gegner geraten, könnt ihr auch an ihm mit etwas Geschick Schaden austeilen und so schnell es geht das Weite suchen.

Prinzipiell bietet Star Wars Jedi: Fallen Order genau jenes gute Single-Player-Adventure, welches wir uns von dem Franchise schon so lange gewünscht haben. Es ist sehr hübsch anzuschauen, mit einer Menge Action, einem guten Schwierigkeitsgrad der jederzeit angepasst werden kann und einer recht guten Story, welche 15 bis 30 Stunden in Anspruch nimmt. An einigen Stellen frustrierend, an anderen motivierend, schafft es eine gute Balance um nicht einfach vorzeitig aufzugeben. Die Schwertkämpfe sind spektakulär, verzeihen aber keine doppelten Fehler. Dazu kommen teils knifflige Rätsel, welche den Spielspaß aber nicht trüben. Rundum ein sehr gutes Paket mit kleineren Schönheitsfehlern in der Steuerung.

Star Wars Jedi Fallen Order
Star Wars Jedi: Fallen Order im Test – ein Dark Souls mit Lichtschwert?
Fazit
Star Wars Jedi: Fallen Order macht eine Menge Dinge gut, die die letzten Spiele des Franchises nicht umsetzen konnten. Die Mischung aus guter Story, eindrucksvoller Grafik, fordernden Kämpfen und teils knifflingen Rätseln ist gut gelungen und lässt kaum Raum für Beschwerden. Zwar lässt die Steuerung bei einigen Parkour-Passagen zu wünschen übrig, aber dies ist fast schon vernachlässigbar. Man fühlt sich von Anfang an im Star Wars Universum zuhause, was man den toll gestalteten Welten zu verdanken hat. Fallen Order übernimmt dabei einige gute Spielmechaniken von Dark Souls und Uncharted und mixt dies sehr gut mit einem Indiana Jones Feeling. Wer nach etwas fordernden Laserschwertkämpfen sucht, der ist hier gut bedient.
Technik
90
Umfang
80
Gameplay
85
Spezifisch
70
Leserwertung0 Bewertungen
0
Besser
Schlechter
81
Wertung

Roman Völkel
Als Kind der 90er bin ich mit Videospielen aufgewachsen. Ich habe eine große Liebe zu Point'n'Click Adventures, Strategie- und Simulations-Spielen entwickelt. Es ist eine Leidenschaft, welche ich gerne nebenbei auslebe.

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