Dr. Kawashimas Gehirn-Jogging – So wertet eine Psychologin

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Dr. Kawashimas Gehirn-Jogging ist zurück! Der japanische Dr. will unser Gehirn auf der Switch wieder fit machen und wir lassen es uns nicht nehmen nicht nur den Spielspaß, sondern auch die versprochene geistige Fitness unter die Lupe zu nehmen. Unsere Hauspsychologin Nina verrät euch was Kawashimas Gehirn-Jogging für euer Hirn tun kann und was nicht.

Kawashimas Gehirn-Jogging
Bild: Nintendo

Gehirn-Jogging: Was trainiere ich da eigentlich?

„Wie fit ist ihr Gehirn?“ mit dieser Frage bringt uns Nintendo ins Spiel. Denn bei Kawashimas Gehirn-Jogging soll sich herausfinden lassen, wie gut unser Hirn funktioniert. Darüber hinaus gibt es auch noch das Versprechen unsere geistige Fitness zu steigern. Als Psychologin horcht man da natürlich gleich auf und möchte das ganze wissenschaftlich überprüfen. Zum Glück haben sich seit den ersten Gehirn-Jogging Spielen auf dem Nintendo DS schon ein paar Forscher, darunter Dr. Kawashima höchstpersönlich, dazu bewegt die Wirksamkeit des Spiels zu untersuchen. Das hält uns der virtuelle Kopf vom Dr., der uns permanent durch das Spiel belgeitet, auch gerne als (nicht ganz akkurates) Zitat unter die Nase. Was es damit auf sich hat, verraten wir euch am Ende des Reviews. Jetzt geht’s erstmal um den Spielspaß!

Wer in Dr. Kawashimas Gehirn-Jogging einsteigt darf sich über eine Minispielsammlung freuen, die sehr nah an die Tests der Kognitionswissenschaftler angelegt ist. Unser menschenspezifisches Denken, das betrifft so etwas wie Planung, Selbstkontrolle, Bewertung und Einodnung von Informationen oder Verknüpfung von Gedächtnisinhalten, findet im Vorderhirn statt. Dr. Kawashima nennt richtigerweise hier immer den Fachbegriff „Präfrontaler Kortex“. Und genau diesen menschlichen Basics widmet sich das Spiel. Die unterschiedlichsten mentalen Operationen können in den Minispielen überprüft und trainiert werden. Jenachdem wie gut wir sind, werden wir mit anderen Spielern in unserem Alter verglichen und so wird unser „Geistiges Alter“ bestimmt.

Die Minispiele in Dr. Kawashimas Gehirn-Jogging

Die Minispiele, zum Release sind das 11 Stück im Einzelspieler, lassen sich in verschiedene Schwerpunkte einteilen. Da gibt es z.B. Aufmerksamkeits-Tests (Doppelherausforderung) und besonders viele Arbeitsgedächtnisaufgaben (das Arbeitsgedächtnis kann eine kleine Menge an Informationen halten und verarbeiten), die hier als Informations-Verarbeitungs-Aufgaben benannt sind, wie Zahlen sortieren, Personen zählen und sämtliche Rechentests. Was jetzt neu dabei ist, sind Tests die auch motorische Fähigkeiten abfragen. Dafür wird die Infrarot-Kamera des Joy-Cons verwendet. Die Übungen finden alle auf einer bestimmten Ebene statt. Das kann numerisch (Rechenaufgaben), motorisch (Fingerübungen), verbal (Wort bilden) oder non-verbal (Fotografisches Gedächtnis) sein. Dann gibt es noch komplexere Aufgaben, die eine Mischung darstellen (z.B. Pianospieler, Zeitung lesen, Finger-Rechnen) und für uns sehr viel näher am Alltag dran sind.

Jetzt qualmt euch sicher schon der Kopf. Zurecht! Denn die unterschiedlichen Aufgaben decken ein möglichst breites Spektrum unser mentalen Operationen ab. Jeder hat hier seine stärken und schwächen, was auch in Ordnung ist. Dafür kann man im Gehirn-Jogging ja auch die unterschiedlichen Bereiche trainieren. Die Minispiele machen jedenfalls spaß, müssen aber auch erstmal durch fleißiges Spielen über mehrere Tage hinweg nach und nach freigeschaltet werden. Für jedes abgeschlossene Minispiel gibt es einen Stempel aufs Kalenderblatt. Etwa alle zwei Tage bekommt ihr dann ein neues Minispiel dazu, so dass ihr nach etwa 17 Tagen alle Minispiele freigeschaltet habt. Nintendo hat versprochen, noch weitere Minispiele gratis hinzuzufügen. Wann genau das sein wird, wissen wir aber noch nicht. Wen nicht nur die eigenen Rekorde interessieren, sondern auch die seiner Freunde, hat hierfür eine eigene kleine Rangliste zu jeder Übung.

Mein geistiges Alter

Einmal am Tag kann man sein geistiges Alter ermitteln lassen. In den beiden Screenshots unten seht ihr, wie das abläuft. Es gibt nämlich drei einzelne Tests, die Selbstkontrolle, Info-Verarbeitung (Arbeitsgedächtnis) und das Kurzzeitgedächtnis abfragen. Selbstkontrolle und Kurzzeitgedächtnis? Ja genau. In den Minispielen findet ihr keine Übungen dazu, weshalb ihr diese beiden Bereiche auch garnicht „aktiv“ trainiert und nur im Test dazu abgefragt werdet. Komischerweise gibt es bei den Minispielen zahllose Aufgaben zur Informations-Verarbeitung, die aber im Test des geistigen Alters nicht vorkommen. Die Auswahl der „Tests“ ist generell sehr gering, so dass man immer vor der Auswahl der Gleichen drei Aufgaben steht. Mit nur drei unterschiedlichen Aufgaben, die teilweise auch garnicht in den Minispiel-Übungen trainiert werden, ist der Test also nicht besonders Reliabel (Zuverlässig) und Valide (misst nicht das, was das Spiel vorgibt zu trainieren).

Und wieviel bringt uns das ganze im Alltag? Die Antwort ist ernüchternd. Es ist klar, wenn man etwas öfter wiederholt, dann trainiert man damit genau diese Aufgabe. Und natürlich wird das Gehirn dabei auch aktiviert. Also prinzipiell schonmal nicht schlecht. Aber es bringt uns nicht wirklich einen mehrwert, wenn wir 25 einfache Rechenaufgaben in 27 Sekunden anstatt 39 Sekunden schaffen. Wer gerne wirklich etwas für sein Gehirn tuen will, der sollte lieber ein Open World Spiel ohne Markierungen auf der Karte, einen Shooter oder einen Action-Platformer spielen. Denn da trainiert ihr wirklich praktische Sachen, wie z.B. räumliche Orientierung, Auge-Hand-Koordniation, Aufmerksamkeit, Selbstkontrolle, Durchhaltevermögen und vieles mehr. Dr. Kawashimas Gehirnjogging eignet sich eher für Menschen, die z.B. nach einem Unfall oder Schlaganfall wieder auf Trab kommen möchten und evtl. auch für Menschen mit einem ADHS, die Selbstkontrolle üben möchten.

Eigentlich sind wir doch nur wegen dem Sudoku hier…

Wenn wir mal ehrlich sind, dann sind das beste an Dr. Kawashimas Gehirn-Jogging immer noch die Sudokus und die Bazillenjagd. Beide Zusatzspiele wurden im Vergleich zu den Vorgänger-Spielen noch ausgebaut und verbessert. In der Bazillenjagd, bekannt aus Dr. Mario, habt ihr jetzt drei unterschiedliche Schwierigkeitsgrade und könnt in diesen auch mehrere Durchgänge gleich hintererinander machen. Das Sudoku hat ebenfalls ordentlich zugelegt. Es gibt auch unterschiedliche Schwierigkeitsgrade, aber das ist tatsächlich noch nicht alles. Denn die kleinen Minizahlen können jetzt bequem per Touchpen ausgewählt werden und werden sofort an die richtige Stelle gesetzt. Wer den „Fehler an“-Modus anschaltet, dem werden dann die Minizahlen aus den entsprechenden Feldern gelöscht, sobald man eine richtige Zahl endgültig eingetragen hat. Wie bequem ist das denn bitte?

Apropos Touchpen! Wer sich die Retail-Version von Dr. Kawashimas Gehirn-Jogging kauft, der bekommt einen Touchpen gratis dazu (der liegt in der Verpackung des Spiels drinne und ist nicht nochmal extra eingepackt). Der Touchpen ist gut verarbeitet und eine wirklich nette Dreingabe. Was allerdings nicht so toll ist, ist die Schrifterkennung. Zahlen und Buchstaben werden extrem schlecht erkannt und sind meistens nur auf eine Art und Weise einzeichenbar. Dadurch verliert man in den Übungen oft viel Zeit und ein Rekord kann flöten gehen, weil das Spiel die 45 nicht erkennt. Nervig.

Multiplayer und Mehr in Dr. Kawashimas Gehirn-Jogging

Obendrauf gibt es noch einen Multipalyer. Hier könnt ihr die Joy-Cons von der Konsole nehmen und zu zweit nacheinander oder gleichzeitig beweisen, wer das Minispiel besser beherrscht. Es stehen dafür sechs Minispiele zur Verfügung. Drei davon sind Test, die über die Infrarot-Kamera laufen. Die anderen drei fordern euer Arbeitsgedächtnis und laufen zeitgleich ab. Der Mehrspieler-Modus ist alles in allem aber eher eine nette Spielerei und nach ein paar Minuten auch nicht mehr so spannend. Ein bisher ausgegrauter Bereich ist die Gehirn-Jogging Weltmeisterschaft. Was sich dahinter verbirgt, das hat Nintendo noch nicht verraten.

Dr Kawashimas Gehirnjogging
Dr. Kawashimas Gehirn-Jogging – So wertet eine Psychologin
Fazit
Dr. Kawashimas Gehirn-Jogging enthält die meisten Übungen die ein Gehirn-Jogging je hatte. Ihr trainiert hauptsächlich euer Arbeitsgedächtnis aber nicht die anderen Kategorien, die im Test eures Geistigen Alters abgefragt werden. Um alle Missionen freizuschalten, braucht ihr knapp zwei Wochen. Danach ist dann aber auch schon bald die Luft raus, denn ihr verbessert euch zwar in den Minispielen, einen wirklichen Effekt auf euren Alltag hat das Üben der Aufgaben aber nicht wirklich. Nintendo hat versprochen noch weitere Übungen und die Gehrin-Jogging Weltmeisterschaft nachzureichen. Genaues weiß man aber nicht. Für Freunde von Sudoku und der Bazillenjagd lohnt sich ein Blick ins Gehirn-Jogging. Die Schrifterkennung ist zwar nicht besonders gut, dafür sind die neuen Funktionen für die beiden Zusatzspiele sehr bequem.
Technik
50
Umfang
60
Gameplay
80
Spezifisch
100
Leserwertung0 Bewertungen
0
Positiv
Viele Übungen...
Man macht Fortschritte...
Multiplayer...
Sudoku und Bazillenjagd
Soll noch um neue Übungen erweitert werden
Ranglisten mit Freunden
Nutz die Infrarot-Kamera
Touch-Pen bei der Retail-Version dabei
Negativ
... die hauptsächlich das Arbeitsgedächtnis trainieren
... die wenig Alltagstauglichkeit haben
...der schnell Langweilig wird
Schlechte Schrifterkennung
67
Wertung

Nina van Aken
Irgendwann hab ich dann meine Freunde Indi, Lara und den Barbaren von Diablo II zurückgelassen um mich erwachsenen Themen zu widmen: Meiner ersten Liebesbeziehung mit Link. Sinneserweiternde Trips durch bunte Tunnel mit Rayman. Und natürlich meiner Karriere: 150 Pokémon, ja das sind wirklich viel. Doch ich will Pokémon Meister sein. Das ist mein Ziel!

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